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Prof. Michelle Sovinsky, Ph.D. erhält ERC Consolidator Grant in Höhe von 1,2 Millionen Euro / Prof. Michelle Sovinsky, Ph.D. receives ERC Consolidator Grant worth 1.2 million Euros

Prof. Michelle Sovinsky, Ph.D., Inhaberin des Lehrstuhls für VWL, Wirtschaftstheorie und Behavioral Economics hat einen Consolidator Grant des Europäischen Forschungsrates (ERC) für ihr Projekt FORENSICS erhalten. Darin untersucht sie das ökonomische Verhalten von Unternehmen und Konsumenten in Bezug auf Märkte, zu denen bzw. über die es nur begrenzt Zugang und Informationen gibt – wie Drogen oder Produktfälschungen. Mit dem Consolidator Grant ist eine Förderung von über 1,2 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren verbunden.

Vergangene Woche hat die deutsche Regierung Cannabis als Arznei auf Kassenrezept zugelassen. Damit wird Schwerkranken künftig eine Behandlung mit der Droge ermöglicht. Über die vollständige Legalisierung von Cannabis – für medizinische Zwecke und für den persönlichen Gebrauch – denken neben Deutschland auch etwa zwanzig andere Länder nach. Doch diese Pläne werfen einige Fragen auf: Wenn Cannabis legalisiert wird, wie ändert sich das Konsumverhalten von Teenagern in Bezug auf Alkohol und Zigaretten? Und welche Auswirkungen wird diese Entwicklung auf die Gesundheit der Bevölkerung und die Steuereinnahmen eines Staates haben? Die Ersetzbarkeit von legalen und illegalen Produkten ist eine der Fragen, denen Prof. Michelle Sovinsky in ihrem EU-geförderten Projekt nachgeht. „Politiker wollen wissen, ob eine Erhöhung der Steuersätze auf Cannabis einen Einfluss auf den Konsum anderer Produkte haben würde“, erklärt Sovinsky.

Illegale Produkte wie Rauschgift sind dabei nur ein Aspekt des Forschungsvorhabens der amerikanischen Wissenschaftlerin. Darüber hinaus beschäftigt sie sich mit nicht identifizierten Wettbewerbern und dem Markt für Produktfälschungen. Sie illustriert dessen Mechanismen am Beispiel von Luxushandtaschen. „Der Einfluss von Produktfälschern auf die strategischen Entscheidungen eines Unternehmens ist noch kaum erforscht“, sagt Sovinsky. Dabei liegt der Umsatz, der weltweit mit kopierter Ware erzielt wird, laut der Internationalen Handelskammer bei 600 Milliarden US-Dollar im Jahr. Manche Hersteller wie Louis Vuitton veröffentlichen auf ihren Webseiten Hinweise, wie man eine Original-Handtasche von einer Fälschung unterscheidet. Andere freuen sich über kostenfreie Werbung – fundiertes wissenschaftliches Wissen über das ökonomische Verhalten der Markenhersteller gibt es jedoch nicht.

Ein weiterer Teilaspekt des ERC-Projekts sind illegale Wettbewerbspraktiken: Was passiert beispielsweise, wenn ein großer Computerchip-Hersteller einen kleineren Wettbewerber aus dem Markt drängt – auch wenn das mit Hilfe legaler Mittel geschieht? Dazu untersucht Sovinsky das Vorgehen des Marktriesen Intel gegenüber dem kleineren Wettbewerber Advanced Micro Devices (AMD). 2005 klagte AMD gegen den Branchenführer, weil dieser zahlreiche Unternehmen davon abgehalten haben soll, Geschäfte mit AMD zu machen.

„Mein Ziel ist es, Entscheidungsträgern in der Politik konkrete Parameter an die Hand zu geben, um die Mechanismen der unbeobachteten Märkte besser einzuschätzen“, sagt die Volkswirtin. Dazu entwickelt sie, gestützt auf empirische Daten, neue Modelle zur Erklärung ökonomischen Verhaltens von Unternehmen und Konsumenten. „Mein Projekt hat das Potenzial, gesellschaftliche Debatten anzuregen“, ist Sovinsky überzeugt. Im vergangenen Jahr fanden ihre Forschungsergebnisse zur Legalisierung von Cannabis etwa viel Beachtung in der italienischen Presse und trugen zur politischen Diskussion im ganzen Land bei. Anhand eines von ihr entwickelten ökonomischen Modells zeigte sie, dass der Cannabis-Konsum bei Minderjährigen steigen würde, wenn die Droge legal erhältlich wäre, aber dass man ihren Verbrauch mithilfe von Steuern regulieren kann.

Der Rektor der Universität Mannheim, Prof. Dr. Ernst-Ludwig von Thadden, gratulierte Prof. Michelle Sovinsky zu ihrem Erfolg: „Wir sind stolz darauf, dass eine weitere Wissenschaftlerin unserer Universität mit dem renommierten ERC-Grant ausgezeichnet wurde. In den vergangenen sechs Jahren hat die Mannheimer VWL insgesamt vier ERC-Grants erhalten. Die Preise bestätigen den hervorragenden Ruf, den die Universität Mannheim auf dem Gebiet der Wirtschaftswissenschaften international genießt“.

Zur Person
Michelle Sovinsky ist seit 2015 Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Universität Mannheim. Zuvor absolvierte sie Forschungsaufenthalte unter anderem in Australien, den Niederlanden und Italien. Zwischen 2009 und 2015 war sie als Associate Professor in der Schweiz tätig. Sie veröffentlichte zahlreiche Beiträge in renommierten internationalen Fachzeitschriften, darunter American Economic Review, International Economic Review und Econometrica.

Über den ERC Consolidator Grant
Jedes Jahr wählt der European Research Council (ERC) der Europäischen Union die vielversprechendsten Forschungsprojekte aus, um sie mit einem Consolidator Grant zu fördern. Die Preise richten sich an exzellente Wissenschaftler/innen, deren Promotion zwischen sieben und zwölf Jahre zurückliegt. Die individuelle Förderung kann bis zu zwei Millionen Euro betragen.


Kontakt:
Prof. Michelle Sovinsky, Ph.D.
Abteilung Volkswirtschaftslehre
Universität Mannheim
D-68131 Mannheim
Tel. +49 621 / 181-1832
E-Mail: msovinsky@econ.uni-mannheim.de
http://sovinsky.vwl.uni-mannheim.de



Prof. Michelle Sovinsky, Ph.D. has been awarded a Consolidator Grant from the European Research Council (ERC) for her project entitled FORENSICS. The project addresses three markets in which unobserved behavior plays a crucial role: illicit drugs, counterfeit products and illegal competition. The grant amounts to 1.2 million Euros and is awarded for a period of five years.

Last week, the German government voted to legalize marijuana, or cannabis, for medicinal purposes. Severely ill patients are now able to obtain the drug legally with a prescription. Germany joins more than 20 other countries that are currently exploring the possible benefits of legalization of cannabis – both for medicinal purposes and for personal use. Yet their plans raise a number of questions: If marijuana is legalized, how will teenagers for example change their use of other products, such as alcohol and cigarettes? And what implications will that have on health and tax revenues? Substitution between illicit and licit products is one of the topics addressed by Michelle Sovinsky in her ERC awarded project. “For policy makers it is extremely valuable to know whether an increase in marijuana taxes today will impact use across a portfolio of products in the future,” says Sovinsky.

Illicit products such as drugs are just one part of Sovinsky’s ERC awarded project. The second research focus concerns product counterfeits and markets with unknown competitors. She illustrates its mechanisms on the example of luxury handbags. “We do not know a lot about how firms react to their rivals selling counterfeit products,” says Sovinsky. At the same time, the global turnover of fake products amounts to 600 billion US-dollars, according to the International Chamber of Commerce. Some of the luxury product makers such as Louis Vuitton give hints on their websites how to distinguish fake handbags from real ones. Others are happy about free advertising. Yet solid scientific findings about their economic behavior are still lacking.

A third aspect of Michelle Sovinsky's research concentrates on illegal competition: when firms use legal means in an illegal way. What happens for example, when a large computer chip producer attempts to force a small rival out of the market – even if it happens by means of legal practices? Here, Sovinsky’s research is based on the real case of competition between market leader Intel and its smaller rival Advanced Micro Devices (AMD). Back in 2005, AMD sued Intel citing questionable business tactics Intel had been using against AMD.

“My goal is to give policy makers tangible tools that accurately reflect the unobserved nature of this type of markets,” says the US-American researcher. To achieve this she collects empirical data and develops models to draw conclusions about the economic behavior of companies and consumers: “My project has the potential to make a sizeable impact on politics and society”, says Sovinsky. Last year for example, her research results were part of an ongoing debate in Italy about whether or not to legalize marijuana. Her publication was widely cited and commented on in leading Italian newspapers. The paper showed that marijuana consumption amongst teenagers would grow if the drug was legally available, but that their use could be controlled by tax rates.

Prof. Dr. Ernst-Ludwig von Thadden, President of the University of Mannheim, congratulated Michelle Sovinsky on her award: “We are very proud that yet another scientist from our university has received this prestigious ERC grant. Over the past six years the Department of Economics in Mannheim has received four ERC grants. The awards confirm the excellent reputation in the field of economics that the University of Mannheim enjoys internationally.”

About the award winner
Michelle Sovinsky was appointed professor at the University of Mannheim in 2015, following research stays in Australia, the Netherlands and Italy. Between 2009 and 2015 she worked as associate professor in Switzerland. She is the author of a number of publications in renowned science journals such as American Economic Review, International Economic Review and Econometrica.

About the ERC Consolidator Grants
The ERC Consolidator Grants are awarded to outstanding researchers of any nationality and age, with at least seven and up to 12 years of experience after their PhD, and a scientific track record showing great promise. Maximum individual funding is two million Euros per grant awarded for up to five years.


Contact:
Prof. Michelle Sovinsky, Ph.D.
Department of Economics
University of Mannheim
D-68131 Mannheim
Phone: +49 621 181-1832
E-Mail: msovinsky@econ.uni-mannheim.de
http://sovinsky.vwl.uni-mannheim.de


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